Hallo Mutti – Reinhören in MDNA.

Heute ist das neue, allgemein erwartete aber nicht unbedingt herbeigesehnte, neue Madonna Album MDNA erschienen. Nur Menschen ohne Internetanschluss oder gepflegtem Desinteresse an Popmusik sind vor der Lawine an Marketingmaßnahmen verschont geblieben: Innerhalb einer Woche erschien die erste Single, wurde die Tour angekündigt und das Albumcover gelüftet.

Grund genug uns das gute Stück mal anzuhören und unseren Senf zur großen Madonna-Diskussion (Zu alt? Zu abgelutscht? Zu sehr gewollt?) beizumischen.

1. Girls Gone Wild
Zweiter Single und damit kalkulierter, solider Popsong, der bei mehrmaligem hören wächst und es sowohl auf dem Dancefloor als auch Live derbe bringt. Klingt trotzdem wie Celebration.

2. Gang Bang
Hmm.. Ich bin zwiegespalten: Der Anfang klingt wie 90er Techno, die Vocals bringen eine Dark Wave-Stimmung rein und irgendwann driftet das Ganze in eine gedrosselte MAYDAY 2001-Richtung ab. Ganz klares: Geht so.

3. I´m Addicted
Berlin meets Paris: Hier trifft anfänglicher Minimalismus auf Ed Banger. Benny Benassi lässt hier großes, elektronisches Kino ablaufen. Mit gefällts.

4. Turn up the Radio
SMASHER. Man stelle sich Frau Ciccone, umgeben von allen Gays der Welt, in einem Regen aus goldenem Lametta vor, tanzend – so klingt der Song. Traumhaft.

5. Give me all your Luvin´
Muss man zu dem Song noch was sagen? In meinen Augen die falsche Wahl für Madonna – klingt zu jung, zu gewollt und zu sehr nach Miley Cyrus. Stempeln wir das als Versuch ab, den amerikanischen Markt für sich zurück gewinnen zu wollen.

6. Some Girls
Erster Gedanke: PITBULL. Refrain abwarten: Doch ganz nett. Wird aber kein Favourite. Skip.

7. Superstar
“Uhlala/ You´re my Superstar”? Textlich offensichtlich als Filler konzipiert, hat der Song schon irgendwas Nettes, Ruhiges.

8. I Don´t Give A
Madonna rappt. Der Refrain reissts aber wieder raus. Nicki Minaj liefert auch fünf Sätze dazu. Schöne Uptempo-Nummer mit superben Beats und ordentlich Wumms in den Bässen. Am Ende wirds dramatisch mit Chor und so. Gefällt mir überraschend gut.

9. I am a Sinner
Schon wieder guter Beat. Nach 16 Takten gehts in die Vollen und im Refrain erinnerts an “Beautiful Stranger”. Anstandslos gekauft.

10. Love Spent
Langsam hab ich Angst. Es ist noch nichts von Altersschwäche zu hören bei der Dame. Enttäuschung stellt sich auch noch nicht ein. Besonders bei dem hier nicht. Da stimmt vieles: Die Mischung der Geschwindigkeiten, das Banjo, die Vocals. Alles gut.

11. Mastepiece
Oha. Es wird langsamer. Aber auch nicht schlecht gelöst. Geht im Gegensatz zu den Anderen in Richtung “Black Music” leistet sich aber Streicher und (wiederum) schöne Beats. Madonnas Stimme ist zurückhaltend und fügt sich schön ein. Was für den sonnigen Sonntagmittag im Park mim Partner. Oder halt  Afterhour.

12. Falling Free
Das letzte Lied der Standard-Edition des Albums. Noch langsamer. Es wird komplett auf Bass verzichetet, stattdess noch mehr Streicher. Klingt ähnlich wie der Vorgänger. Nur halt ohne Bass. Einige würden es ja Filler nennen, aber es muss ja auch ruhige Phasen in einem Album geben.

13. Beautiful Killer
Im ersten Lied der Deluxe Edition gehts wieder hoch mit den BPM. Klingt auch irgendwie schonmal gehört. Seichter Berieselungspop der keinem wehtut.

14. I Fucked Up
Madonna hat wohl jemanden betrogen und singt darüber in diesem Song der auch gut vor 10 hätte Jahren produziert werden können. Gegen Ende gehts nochmal hoch mit der Geschwindigkeit, was aber irgendwie nicht wirklich passt. Der Tacho zeigt auch schon 14 Songs an. Den hier hätte man (meiner Meinung nach) rauslassen können.

15. B-Day Song
Madonna hat Geburtstag und das klingt nach Beach Boys. Die ansonsten eigenwillig M.I.A mischt auch mit, durfte/ konnte ihren Stil aber anscheinend nicht einbringen.

16. Best Friend
Die letzte Runde haut noch mal ordentlich auf die Beatpattern-Pauke und mischt Stakkato-Bass mit Stakkato-Synthesizern.  Sehr lässig Frau MDNA.

Fazit:
Puh. Was ein Brett. Sechzehn Songs in der Deluxe Edition, Zwölf in der Standardausgabe. Da kriegt man was für sein Geld und die Kosten-Nutzen-Rechnung geht voll auf. Obwohl vor allem durch die Previews im Vorfeld ein Versagen des Albums prophezeit wurde, muss ich sagen, dass mir das Album richtig gut gefällt. Die Mischung machts halt und obwohl ich einige Songs rausgehauen hätte (vor allem die Deluxe Edition bringts teilweise nicht) macht das neue Album echt Spass und wird einen Ehrenplatz in der POPTASTIC Plattenkiste finden.

Wer  sich auch die Meinung von richtigen Kennern/ Ikonen auf dem Musikgebiet  anhören möchte, dem seien die Reviews von Dietmar Dath in der FAZ und Moritz von Uslar in der ZEIT an Herzchen gelegt.