POPTASTIC Pop 2012: Raop!

Torsten hat, von Electro gelangweilt, Rap wieder für sich entdeckt. Zum Glück steckt da jetzt der Pop drin. 2012 geht’s durch die Decke!

Das peinliche Drama um die Bambi-Verleihung für Bushido, der neue Sido-Film und das kritiklose Abfeiern der angeblich geläuterten Protagonisten der Aggro-Possé im bundesdeutschen Feuilleton kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ära des aggressiven, frauen- und schwulenfeindlichen Straßenraps nach endlos scheinenden acht Jahren endlich vorbei ist. Hurra, dreh den Swag auf!

Die neue deutsche Reimgeneration reichert seine Beats mit bunten Pop- und Indieanleihen an und hat keine Angst davor, neue Themen abseits des gefährlichen Blocks zu entdecken. Dabei wird’s durchaus mal alltäglich bis belanglos. Egal! Spaß statt Politik, Feiern statt Dissen. Hallo Pop, der Rap ist wieder da!

Den Weg bereitet hat Stadtaffe Peter Fox, die Tür aufgestoßen haben Casper mit seinem Nummer-1-Album „XOXO“ und Materia mit „Zum Glück in die Zukunft“. Noch im Januar wird das erste Album der sympathischen Indiepoprapper von Kraftklub erscheinen, die für Sachsen schon einen sehr respektablen fünften Platz beim Bundesvision Song Contest holten – und eine wunderbare Hymne mit „Ich will nicht nach Berlin“ vorlegten – nebst dem fantastischsten Tourvideo seit Robyns “Hang With Me”. Baggys sind out, die neuen Poprapper tragen Röhre, kotzen, feiern und saufen genauso wie ihr Publikum:

Mein nicht mehr sonderlich geheimer Geheimtipp für 2012 ist jedenfalls Cro (Facebook), der Junge mit der Pandamaske. Gerade 19 Jahre jung, hat er im letzten Jahr gleich zwei klasse Mixtapes vorgelegt (“Meine Musik” kostenlos downloaden / “Easy” Mixtape kostenloser Download). Phantom hin, Sido her – bei Cro ist nicht nur die Maske sympathischer. Seine Tracks sind melodischer, mal technoid, mal indielastig – aber immer leichtfüßig, übergangslos wechselt er zwischen Rap und Gesang wie weiland Clueso. Er selbst bezeichnet seinen Stil als Mischung aus Rap und Pop = Raop.

Es ist ja nicht so, dass die Kollegen aus den USA erst seit neuestem Pop-Hooks verbauen, allein aus den Staaten tönt es immer sehr angestrengt und schmeckt schal nach dicken Banknoten. Als Cro im Herbst für Madcon auf deren Deutschlandtour eröffnet hat, bouncten die Endorphine nur so durch die Hallen (Videoblog zur Tour 1/2).

Überraschend, wie auf dem “Easy”-Mixtape bei „Rockstar“ der Refrain der Über-Indie-Hymne „Banquet“ von Bloc Party zu seinen Strophen passt. Niedlich, wie er in „Kein Benz“ die chronische Geldknappheit seiner Hörer thematisiert. In jedem Track überrascht eine Pop-Anleihe und eigentlich passt die Hälfte seiner Tracks auch ganz gut auf den POPTASTIC-Dancefloor und muss nicht in der Pimmeldisco abhängen.

Massenkompatibel bis zum Anschlag und ohne Frage äußerst VIVA-tauglich ist sein erster „professioneller“ Videoclip zum entspannten „Easy“. Das riecht nach BRAVO HITS. Und womit? Mit Recht!

Also lassen wir Sido und Bushido in ihren Potsdamer Villen in Vorruhestand vergammeln, überlassen wir Frauenarzt mit seinen Atzen Mallorca und freuen uns 2012 auf geile Partytracks von Rockstah, den Orsons, AhzumJot, Kraftklub, Materia, Casper und Cro!

Update: Seit der Artikel an Weihnachten entstanden ist, hat sich schon einiges getan. So hat es Cro sogar in die BRAVO geschafft…